Jan Niklas Terhalle
Determinanten der Attraktivität von Einlageprodukten – was ist Privatkunden im Umfeld steigender Zinsen wichtig?
1 Theoretische Einführung
In diesem Beitrag wird die Frage untersucht, welche Faktoren die Entscheidung von Privatkunden für oder gegen ein Einlageprodukt beeinflussen. Dabei fokussiert sich diese Arbeit auf die nachfolgend vorgestellten, ausgewählten Faktoren im Umfeld steigender Zinsen. Nach einer theoretischen Betrachtung der potenziellen Einflussvariablen wird eine Umfrage, die bei überwiegend jungen deutschen Privatanlegern durchgeführt wurde, vorgestellt.
Privatkunden nehmen aus einer entscheidungstheoretischen Perspektive Leistungen des Einlagengeschäfts in Anspruch, um einen Nutzen durch Bedürfnisbefriedigung zu erhalten. Privatanleger nutzen Produkte des Einlagengeschäfts („Einlageprodukte“, „Depositenprodukte“) konkret zur Erfüllung drei wesentlicher Bedürfnisse: Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Liquiditätshaltung und Sparen.1 Das Bedürfnis, Transaktionen abzuwickeln, entsteht in der Regel aus der Notwendigkeit, Transaktionen als Folge einer anderen Entscheidung, beispielsweise eines Kaufprozesses, zu tätigen. Das Bedürfnis nach kurzfristiger Liquiditätshaltung entwickelt sich dagegen primär aus der Notwendigkeit, zukünftige Transaktionen abzuwickeln oder aus der Unsicherheit hinsichtlich des Eintretens oder der Höhe solcher. Beim Sparen entscheiden sich Privatpersonen für einen Verzicht auf die Verwendung von Einkommen oder Vermögen in der Gegenwart, um zu einem späteren Zeitpunkt mehr Kapital für Konsum zur Verfügung zu haben. Sparprodukte sind demnach Produkte, die zum intertemporalen Konsumverzicht genutzt werden. Für den Zweck des Sparens ist es aus theoretischer Sicht unerheblich, ob die Privatperson das Kapital auf dem Girokonto belässt, es daheim als Bargeld verwahrt oder am Kapitalmarkt oder bei der Bank in verzinsliche Einlageprodukte anlegt. Die letztgenannte Option, die Geldanlage, unterscheidet sich vom Sparen dadurch, dass der Konsumverzicht und das Anlegen des Kapitals mit der Absicht erfolgen, einen Ertrag zu erzielen.2
Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind die Determinanten der Geldanlage in Einlageprodukte, da bei der Abwicklung von Transaktionen sowie bei der Liquiditätshaltung das Zinsniveau nur von untergeordneter Bedeutung ist. Die Eignung von Einlageprodukten zur Geldanlage hingegen hängt besonders stark von Zinsniveau und ‑entwicklung ab. Die Untersuchung der Bedürfniskategorie Geldanlage hat dabei zusätzlich den Vorteil, dass sie eine aktive Entscheidungskomponente aufweist: Das Sparen und insbesondere die Geldanlage haben einen aktiven Charakter, erstens durch die aktive Entscheidung zum Sparen und zweitens durch die Entscheidung zur Geldanlage des Gesparten oder zu Sparenden.
Abbildung 1: Kategorisierung verschiedener Einlageprodukte nach Eignung zur Bedürfnisbefriedigung von Privatkunden
Abbildung 1 veranschaulicht, welche Einlageprodukte sich zur Befriedigung welcher Bedürfnisse von Privatkunden im Einlagengeschäft eignen. Dabei wird die Art der Einlageprodukte in den Zeilen nach Bedürfnis des Kunden und in den Spalten nach Fälligkeit unterschieden. Offensichtlich kommen bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs von den Einlageprodukten hauptsächlich Sichteinlagen in Form von Girokonten infrage.3 Zur kurzfristigen Liquiditätshaltung empfehlen sich insbesondere Girokonten, Tagesgeldkonten und Sparkonten, wobei die Nutzung von Sparkonten hier auf die Nutzung des Abhebungsfreibetrags beschränkt ist.4 Termineinlagen sind aufgrund der längeren Kapitalbindungsdauer zur kurzfristigen Liquiditätshaltung ungeeignet. Die hier betrachteten Einlageprodukte können zum Sparen verwendet werden, da Kunden Geld in Produkte einlegen oder es dort belassen, anstatt es zu konsumieren. Spareinlagen und Termineinlagen sind ebenso wie Tagesgelder als Anlageprodukte zu betrachten, da sich Privatkunden aktiv für oder gegen die Verwendung des Produkts entscheiden und dies nutzen, weil sie einen Renditevorteil im Gegensatz zum allgemein nicht verzinsten Girokonto erwarten. Da Girokonten überwiegend für den Zahlungsverkehr genutzt werden, in der Regel keine Verzinsung auf das Guthaben gezahlt wird und keine Absicht des Kunden zur Ertragserzielung erkennbar ist, sind sie von den Geldanlageprodukten zu differenzieren.
Während aus Kundensicht Einlageprodukte den oben beschriebenen Zwecken dienen, stellen diese aus Bankensicht eine Form der Finanzierung dar. Die Summe der eingelegten Gelder wird als Einlagevolumen bezeichnet. In Abbildung 2 sind auf Basis von Bundesbankdaten die aggregierten Einlagevolumina von Privatpersonen bei Kreditgenossenschaften im Zeitraum von Januar 2003 bis Dezember 2022 dargestellt. Die exemplarische Betrachtung der Gruppe der Kreditgenossenschaften erfolgt unter Abgleich mit den Daten anderer Bankengruppen, um sicherzustellen, dass die nachfolgend getroffenen Aussagen nicht kreditgenossenschaftsspezifisch sind, sondern für Banken mit einlagefinanziertem Kreditgeschäft als Kerngeschäftsmodell insgesamt charakteristisch sind.
Abbildung 2: Aggregierte Einlagevolumina von Privatpersonen bei Kreditgenossenschaften nach Art der Einlage (in Mrd. EUR)5
In Abbildung 2 wird zwischen Sichteinlagen, Termineinlagen und Spareinlagen differenziert. Im Zeitverlauf der vergangenen Jahre unterscheiden sich die Entwicklungen der Einlagenvolumina der verschiedenen Einlagearten voneinander. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Volumina der Spareinlagen einen nahezu konstanten Verlauf aufweisen. Im Zeitraum der globalen Finanzkrise ab 2008 ist ein temporärer Rückgang festzustellen, der sich in den darauffolgenden Jahren wieder umkehrt. Seit Mitte 2022 ist hingegen erneut ein leichter Rückgang erkennbar. Die Gruppe der Termineinlagen ist für Privatanleger – ausgehend von traditionell ohnehin geringen Volumina – nach der Finanzkrise zunehmend bedeutungsloser geworden: Kurz vor und während der Finanzkrise stiegen Einlagevolumina in Termineinlagen durch Privatpersonen bei Genossenschaftsbanken zwar an, ab 2009 sank das Einlagevolumen bei dieser Einlagenart jedoch kontinuierlich. Seit Mitte 2022 ist ein leichter Anstieg erkennbar. Die Volumina von Sichteinlagen hingegen haben sich seit 2003 vervielfacht. Insbesondere unmittelbar nach dem Höhepunkt der Finanzkrise und seit 2012 stiegen Volumina der Sichteinlagen stark an. Durch diese Entwicklungen änderte sich die Relation zwischen den drei Einlagearten im Vergleich zum Beginn des Betrachtungszeitraums. Während Anfang 2003 Spareinlagen die volumenmäßig größte Einlageart und dabei 1,99-mal so hoch waren wie die Volumina der Sichteinlagen, welche wiederum 1,74-mal so hoch waren wie Volumina der Termineinlagen, überstieg das Volumen der Sichteinlagen Ende 2022 die Volumina der Spareinlagen um den Faktor 2,83 und die Volumina der Termineinlagen um das 33,83-Fache.6 Seit dem Zinsanstieg Mitte 2022 existiert eine veränderte Dynamik. Die Volumina der Spareinlagen und der Termineinlagen haben sich zugunsten der Volumina der Termineinlagen verringert. Von Juli 2022 bis November 2024 hat sich das Volumen der Termineinlagen nahezu vervierfacht (Faktor 3,90), während bei Sichteinlagen eine Verringerung der Volumina um 11,11 % und bei Spareinlagen um 28,04 % zu verzeichnen war.
Zur Erklärung der Unterschiede hinsichtlich der Entwicklung der Einlagearten gibt es unterschiedliche Ansätze. Schwankungen im Einlagevolumen sind das Resultat von Entscheidungen durch Kunden für oder gegen die Nutzung des Bankangebots. Produkte verschiedener Einlagearten könnten für dieselbe Kategorie der Bedürfnisbefriedigung als Substitut genutzt werden. Umschichtungen könnten daraus resultieren, dass sich der von Kunden wahrgenommene Grad der Bedürfnisbefriedigung (Attraktivität) der jeweiligen Produktarten im Zeitverlauf verändert. Ein weiterer Erklärungsansatz für die Volumenverschiebung ist die Nutzung verschiedener Produktarten in der Praxis für die Befriedigung unterschiedlicher Kategorien von Bedürfnissen sowie die Verschiebung der Nachfrage nach der Befriedigung der jeweiligen Bedürfniskategorie mit der Zeit. Ebenso ist eine Kombination dieser Erklärungsansätze denkbar: Sowohl Kundenbedürfnisse haben sich im Zeitverlauf verändert als auch der Grad der Bedürfnisbefriedigung der jeweiligen Einlageprodukte. Finanzprodukte außerhalb der Kategorie der Einlagen könnten ebenfalls eine Rolle spielen, was jedoch nicht Gegenstand dieses Beitrags sein soll.
Für Kreditinstitute ist es von Relevanz, die Determinanten dieser Mechanismen zu kennen, da Institute über Einlagen passive Konditionsbeiträge generieren, deren Höhe durch die Volumina determiniert wird. Vor dem Hintergrund des Teilziels der Ertragsmaximierung ist es für Banken wichtig zu verstehen, welche Faktoren die Wahrnehmung hinsichtlich der Eignung zur Bedürfnisbefriedigung von Spar-/Anlageprodukten und damit die Entscheidung für oder gegen eine Nutzung von Einlageprodukten beeinflussen und wie sich dies im Zeitverlauf ändert. Einige Studien haben das Spar-/Anlageverhalten von Privatpersonen und deren Bedürfnisse beim Sparen und der Geldanlage untersucht: Rendite, Sicherheit (Risiko) und Liquidität (Verfügbarkeit) eines Anlageprodukts sind die drei am häufigsten untersuchten Faktoren,7 die sich auf die Attraktivität von Anlageprodukten auswirken und gemeinsam als Zieldimensionen der Geldanlage bezeichnet werden.8
Die Erzielung von Rendite ist per Definition Voraussetzung der Geldanlage. Da Einlageprodukte keinen Kursschwankungen unterliegen, wie beispielsweise Wertpapiere, stellt die Verzinsung die einzige Entlohnung für die Kapitalüberlassung des Einlegers dar. Dadurch ist das Verhältnis der Verzinsung zur Höhe des eingelegten Kapitals als (nominale) Rendite zu betrachten.9 Die reale Rendite korrigiert die nominale Verzinsung um die Inflation und erlaubt im Gegensatz zur nominalen Rendite Aussagen hinsichtlich der tatsächlichen Veränderung der Kaufkraft durch Sparen oder Geldanlage. Annuß und Rupprecht (2016) haben das Anlageverhalten von Privatpersonen in Deutschland untersucht und dabei festgestellt, dass Sparende bei Anlageentscheidungen vor allem die nominale Verzinsung beachten, da diese greifbarer ist als die reale Verzinsung.10 Daher werden in dieser Arbeit ausschließlich nominale Verzinsungen als Renditemaß betrachtet.11
Risiko kann auf verschiedene Arten definiert und gemessen werden. Gängige Definitionen bezeichnen Risiko als Unsicherheit oder Ungewissheit und beziehen sich auf Ausfallwahrscheinlichkeiten oder Kursschwankungen.12 Arrondel et al. (2014) haben gezeigt, dass über 99 % der deutschen Privatpersonen sichere Anlageformen und nur 23 % (ggf. zusätzlich) riskante Anlageformen grundsätzlich nutzen würden, woraus ein Bedürfnis nach Sicherheit bzw. eine Abneigung gegenüber Risiko abgeleitet werden kann.13 Die bei Privatanlegern beliebteste sichere Sparform sind Einlagen.14 Aufgrund umfangreicher Einlagensicherungssysteme und der Sicherheit hinsichtlich des nominellen Werts des eingelegten Betrags sind Einlagen trotz geringer Restrisiken als sicher zu klassifizieren,15 wie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestätigt wird.16
Liquidität (Verfügbarkeit) wird als Möglichkeit definiert, sich kurzfristig von der Anlage trennen zu können und Geld zurückzuerhalten. Im Kontext von Einlageprodukten kann die Fälligkeit der Einlage als Verfügbarkeitsmaß verwendet werden, was auf Produktebene insbesondere durch eine vertraglich vereinbarte Laufzeit, vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten oder Entnahmemöglichkeiten beeinflusst wird.
Neben den drei Zieldimensionen gibt es weitere Faktoren, die die Attraktivität von Spar‑/Anlageprodukten beeinflussen. Bekannte und verständliche Produkte sind für Privatkunden attraktiver als unbekannte oder unverständliche Produkte.17 Zudem erweist sich das Leisten eines sozialen oder ökologischen Beitrags (Impact Investing) durch die Anlage als attraktivitätsbeeinflussend.18 Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass das Vorhandensein sowie die Funktionen von Onlinebanking und die Mindestanlagesumme entscheiden, ob die Nutzung eines Geldanlageprodukts für Kunden infrage kommt.19 Weiterhin wird beschrieben, dass Kunden verschiedene Faktoren gegeneinander abwägen und für eine höhere Rendite mehr Risiken eingehen, Geld langfristiger anlegen oder auf Impact Investing verzichten.20 Der Grad der Bedürfniserfüllung eines Spar‑/Anlageprodukts mit bestimmten Merkmalen hinsichtlich Verzinsung, Ausfallwahrscheinlichkeit, Fristigkeit, Verständlichkeit usw. wird von verschiedenen Privatkunden unterschiedlich bewertet, hängt von Präferenzen bezüglich Rendite, Risiko, Verfügbarkeit etc. ab und kann nicht allgemeingültig festgelegt werden.21 Ein Anstieg des Zinsniveaus führt dazu, dass Banken Kunden eine höhere Verzinsung anbieten und dadurch die Nachfrage nach Einlageprodukten – sowohl theoretisch als auch praktisch – steigt. Um die Bedeutung der Verzinsung und der weiteren Faktoren im Umfeld der historisch einzigartig stark steigenden Zinsen zu untersuchen, wird in dieser Studie die nachfolgend erläuterte Methodik angewandt.
2 Methodik
Dieser Artikel basiert auf einer Befragung. Das zentrale Erhebungsinstrument der diesem Beitrag zugrunde liegenden Studie ist somit ein systematisch entwickelter Fragebogen, der als Onlineumfrage mit der Plattform LimeSurvey umgesetzt wurde. Die Entwicklung des Fragebogens orientiert sich an bewährten Leitlinien (Kallus, 2016; Steiner & Benesch, 2015) mit dem Ziel, wahrgenommene Attraktivität von Sparprodukten durch deutsche Privatkunden präzise zu erfassen. Die Determinanten der Attraktivität der Spar- und Anlageprodukte, wie sie im vorigen Abschnitt herausgestellt wurden, werden mit Likert-Antwortskalen des Typs „Wichtigkeit“ abgefragt. Dabei wird eine sechsstufige Skalierung gewählt, um differenzierte Einstellungsdaten zu erfassen und eine Tendenz zu neutralen Antworten zu minimieren (Kempen, Meier & Müller, 2018). Besonderes Augenmerk wird auf eine klare und verständliche Formulierung der Fragen gelegt, wobei Fachbegriffe entweder vermieden oder durch einfache Sprache ersetzt werden. Im Fragebogen sind zudem Fragen zu demografischen Angaben sowie ein Aufmerksamkeitstest und Filterfragen enthalten.
Die Zielpopulation umfasst volljährige Privatpersonen in Deutschland. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über eine Kombination von Online- und physischen Kanälen. Zu den Onlinekanälen zählten soziale Medien, interne Netzwerke einer Beratungsgesellschaft und einer öffentlich-rechtlichen Hochschule sowie SurveyCircle und Onlineforen. Ergänzt wurde dies durch physisch ausgelegte QR-Codes. Die Onlineumfrage wurde in einer dreiwöchigen Periode im Jahr 2023 durchgeführt. Die Teilnahme war anonym und freiwillig, wobei auf Datenschutz und Vertraulichkeit hingewiesen wurde. Insgesamt nahmen 475 Personen teil. Im Zuge der Datenbereinigung wurden unvollständige Datensätze oder solche, bei denen der Aufmerksamkeitstest nicht bestanden wurde, herausgefiltert, sodass für die inhaltliche Auswertung schließlich 373 Beobachtungen zur Verfügung standen.
3 Ergebnisse und Diskussion
3.1 Die Stichprobe
Die erhobenen demografischen Daten der Befragten bieten wertvolle Einblicke in die Zusammensetzung der Stichprobe. Die wichtigsten Ergebnisse aus den Häufigkeitstabellen sind wie folgt zusammengefasst: Von den 373 Teilnehmenden waren 35,9 % weiblich (n = 134) und 64,1 % männlich (n = 239). Diese Verteilung zeigt eine Mehrheit männlicher Befragter. Der Großteil der Teilnehmenden (68,4 %, n = 255) war im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Weitere 25,7 % (n = 96) gehörten der Altersgruppe 30 bis 44 an, während lediglich 5,9 % (n = 22) der Altersgruppe 45 bis 59 entsprachen. Die Daten spiegeln eine starke Konzentration auf jüngere Altersgruppen wider. Die Befragten stammten aus unterschiedlich großen Wohnorten. 20,4 % (n = 76) lebten in Orten mit weniger als 5.000 Menschen, während 26,5 % (n = 99) in Städten mit mehr als 500.000 Menschen wohnten. Die Verteilung zeigt, dass die Teilnehmenden sowohl aus ländlichen als auch aus urbanen Gebieten stammten, mit einem Schwerpunkt auf größeren Städten. Das Netto-Haushaltseinkommen der Befragten war breit gestreut. Etwa ein Drittel (33,8 %, n = 126) gab ein Einkommen von weniger als 1.500 EUR an, gefolgt von 31,4 % (n = 117) mit einem Einkommen zwischen 1.500 EUR und 3.000 EUR. Einkommen über 5.000 EUR wurden von 15 % (n = 56) der Befragten genannt, während 2,9 % (n = 11) keine Angabe machten. In Bezug auf das Geldvermögen gaben 34,6 % (n = 129) an, zwischen 2.500 EUR und 5.000 EUR zu besitzen. Weitere 25,2 % (n = 94) verfügten über ein Geldvermögen von mehr als 50.000 EUR. 8,6 % (n = 32) machten keine Angabe zu ihrem Vermögen. Die Mehrheit der Befragten (66,5 %, n = 248) nutzte eine Regionalbank im Sinne von Kreditgenossenschaften, öffentlich-rechtlichen sowie privatwirtschaftlich geführten Banken als Hauptbank, während 33,5 % (n = 125) eine sonstige Bank als ihre Hauptbank bezeichneten.
3.2 Angaben zu Determinanten der Attraktivität von Anlage- und Sparprodukten
Tabelle 1 enthält Mittelwerte, Standardabweichungen, Median sowie 25. und 75. Perzentil zu den Antworten der Befragten zur subjektiv wahrgenommenen Wichtigkeit der oben ausgearbeiteten Faktoren bei der Auswahl eines festverzinslichen Einlageprodukts.
Wichtigkeit von Faktoren bei Investition in verzinsliche Einlageprodukte | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Variable | n | Mittelwert | 25. Perzentil | Median | 75. Perzentil |
| Verständlichkeit | 373 | 4,42 | 4,00 | 5,00 | 5,00 |
| Transaktionsfunktionen Onlinebanking | 373 | 4,23 | 4,00 | 5,00 | 5,00 |
| Bekanntheit | 373 | 4,02 | 4,00 | 4,00 | 5,00 |
| Rendite | 373 | 3,93 | 3,00 | 4,00 | 5,00 |
| Informationsfunktionen Onlinebanking | 373 | 3,87 | 3,00 | 4,00 | 5,00 |
| Partizipation Zinsanstieg | 373 | 3,47 | 3,00 | 4,00 | 4,00 |
| Risiko | 373 | 3,39 | 2,00 | 3,00 | 5,00 |
| Zugänglichkeit | 373 | 3,39 | 3,00 | 4,00 | 4,50 |
| Verfügbarkeit | 373 | 3,14 | 2,00 | 3,00 | 4,00 |
| Impact Investing Global | 373 | 1,99 | 1,00 | 2,00 | 3,00 |
| Impact Investing Regional | 373 | 1,70 | 0 | 2,00 | 3,00 |
Die Mittelwerte der verschiedenen Variablen für die 373 Beobachtungen schwanken zwischen 1,70 und 4,42. Die Befragten haben den Faktoren eine Wichtigkeit von 0 bis 5 zugewiesen, wobei ein höherer Wert für höhere subjektive Wichtigkeit eines Faktors bei Geldanlage in Einlageprodukte mit Laufzeit von fünf Jahren steht. Die Standardabweichung beträgt je nach Variable 0,825 bis 1,459. Bei Betrachtung der Stichprobenkennzahlen fallen mehrere Werte auf: einerseits die sehr hoch beurteilte Wichtigkeit der Faktoren Verständlichkeit, Transaktionsfunktionen Onlinebanking und die Bekanntheit des Produkts für den Großteil der Befragten, was sich in Mittelwerten und Werten des 25. Perzentils von über 4,00 widerspiegelt. Rendite ist mit einem Mittelwert von 3,93 am nächstwichtigsten. Zudem ist auffällig, dass die beurteilte Wichtigkeit von Impact Investing außerordentlich gering ist, wobei Regional Impact Investing niedriger als Global Impact Investing bewertet wird. Für mehr als 25 % der Befragten ist Regional Impact Investing vollkommen unwichtig. Auffällig ist zudem die Rechtsschiefe der Variable Risiko, was an den Werten der Perzentile erkennbar ist. Obwohl die Variable Risiko einen niedrigeren Mittelwert als die Partizipation am Zinsanstieg hat, ist der Wert des 75. Perzentils im Gegensatz zum Wert für die Partizipation am Zinsanstieg mit „5“ höchstmöglich. Der Vergleich mit dem Faktor Zugänglichkeit zeigt, dass ein Teil der Befragten Risiko als „eher unwichtig“ erachtet, während ein anderer Teil der Befragten Risiko als „vollkommen wichtig“ beurteilt. Dies steht im Einklang mit Erkenntnissen in der wissenschaftlichen Literatur, die verschiedene Einstellungen zum Risiko bei Privatanlegern feststellt. Zudem auffällig sind die niedrigen Werte zur Verfügbarkeit des investierten Geldes. Anhand der Kennzahlen ist insgesamt eindeutig erkennbar, dass Kunden unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich der Faktoren haben, wobei jeder Faktor von den befragten Privatkunden deutscher Banken als attraktivitätsbeeinflussend wahrgenommen wird.
Die deskriptive Analyse der jeweiligen Faktoren gibt Aufschluss darüber, welche Faktoren in der Stichprobe in Bezug auf Einlageprodukte aus Privatkundensicht am wichtigsten sind. Demnach ist die Verständlichkeit eines Einlageprodukts für Privatkunden von höchster Bedeutung. Zudem wurde die für Geldanlagen im Allgemeinen bewiesene hohe Bedeutung von Funktionen des Onlinebankings für Einlageprodukte bestätigt. Die Bekanntheit des Produkts wird von mehr als 75 % der Nutzenden auf der sechsstufigen Wichtigkeitsskala mit dem zweithöchsten Wert bewertet und kann damit als sehr attraktivitätsbeeinflussend interpretiert werden. Rendite, welche per Definition Grundvoraussetzung für die Geldanlage ist, wurde im arithmetischen Mittel als viertwichtigster Faktor bewertet. Die hohen Werte von Verständlichkeit und Bekanntheit könnten darauf hindeuten, dass Verständlichkeit, Bekanntheit und Onlinebanking-Funktionen aus Sicht der Privatkunden neben Rendite Grundvoraussetzung für eine Geldanlage in Einlageprodukte sind – ein bemerkenswerter Befund, da somit nicht primär ökonomisch relevante Faktoren über die Attraktivität entscheiden. Das könnte aus Sicht der Banken bedeuten, dass selbst Produkte mit suboptimalen Konditionen erfolgreich vermarktet werden können, solange sie verständlich erklärt und vertraut wirken. Wenn Banken Kunden davon überzeugen wollen, in festverzinsliche Einlageprodukte zu investieren, könnte es somit zielführend sein, altbekannte Produkte wieder anzubieten oder neue Produkte an für den Kunden bekannte und für sie verständliche Produkte anzulehnen.
Im Vergleich mit sonstigen „Zieldimensionen“ der Geldanlage ist laut Ergebnissen Rendite signifikant bedeutender als Risiko und Verfügbarkeit. Auffällig ist, dass Risiko und Verfügbarkeit von mindestens 25 % der Befragten als eher unwichtig beurteilt werden. Da Einlagen allgemein als sicher gelten, sind geringe Werte hinsichtlich des Risikos plausibel. Die niedrigen Werte zu Verfügbarkeit könnten dadurch erklärt werden, dass Anlageprodukte mit langfristiger, fixer Laufzeit eine längerfristige Kapitalbindung implizieren. An steigenden Zinsen zu partizipieren, ist den befragten Privatkunden durchschnittlich wichtiger als Risiko und Verfügbarkeit. Die Angaben zur Partizipation am Zinsanstieg könnten als Indikator für eine Nachfrage nach verzinslichen Produkten interpretiert werden, welche im Niedrigzinsumfeld kaum existierten. Das Leisten eines positiven Beitrags wird von den Befragten mit deutlichem Abstand als unwesentlichster Faktor bei der Geldanlage in Termineinlagen bewertet. Für weniger als 50 % der Befragten ist das Leisten eines Beitrags in der Welt oder Region eher wichtig als unwichtig. 25 % der Befragten ist das Leisten eines Beitrags in der Region durch eine Anlage in eine Termineinlage dagegen vollkommen unwichtig. Produkte wie ein „grünes Sparbuch“, bei denen gegebenenfalls zulasten der Rendite ein positiver Beitrag erbracht wird, kommen somit höchstens für einen geringen Teil der Befragten infrage. Die Erkenntnisse offenbaren damit das Potenzial einer differenzierteren Kundenansprache beim Vertrieb von Einlageprodukten.
3.3 Limitationen
Trotz der sorgfältigen Konzeption und Durchführung der Studie sind mehrere Einschränkungen zu berücksichtigen. Erstens handelt es sich bei der Stichprobe um eine nicht repräsentative Auswahl, die insbesondere hinsichtlich Alter und Geschlecht verzerrt ist. Der Großteil der Befragten ist unter 30 Jahre alt und männlich, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf die deutsche Privatkundschaft insgesamt einschränkt. Zweitens basiert die Studie ausschließlich auf selbstberichteten Daten, die durch soziale Erwünschtheit oder mangelnde Reflexion der eigenen Präferenzen verzerrt sein können. Drittens wurde die Erhebung zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt, ohne Berücksichtigung potenzieller zeitlicher oder konjunktureller Schwankungen im Investitionsverhalten. Auch kontextspezifische Faktoren wie Inflationsraten oder mediale Berichterstattung über „grüne“ Finanzprodukte könnten Einfluss genommen haben, ohne dass sie kontrolliert wurden. Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Interpretation, Produkte mit schlechteren ökonomischen Konditionen könnten durch hohe Verständlichkeit dennoch attraktiv erscheinen, nicht unmittelbar aus den erhobenen Daten abgeleitet werden kann. Schließlich wurde ausnahmslos eine deskriptive Auswertung vorgenommen; inferenzstatistische Verfahren zur Prüfung von Zusammenhängen oder Gruppenunterschieden wurden nicht eingesetzt.
3.4 Forschungsbedarf
Auf Grundlage dieser Limitationen ergeben sich mehrere Ansatzpunkte für die zukünftige Forschung. Erstens erscheint eine repräsentative Erhebung notwendig, um valide Rückschlüsse auf die gesamte deutsche Privatkundschaft zu ziehen. Zweitens könnten longitudinale Studien helfen, Veränderungen in den Präferenzen im Zeitverlauf, insbesondere bei sich ändernden Zinsniveaus, besser zu verstehen. Drittens sollten in künftigen Arbeiten multivariate Analysemethoden zum Einsatz kommen, um Wirkungszusammenhänge und Segmentierungsansätze – etwa nach Alter, Einkommen oder Nachhaltigkeitspräferenzen – fundierter darzustellen. Viertens könnte eine qualitative Vertiefung, z. B. durch leitfadengestützte Interviews, helfen, die Motive hinter der geringen Relevanz nachhaltiger Kriterien besser zu erfassen. Auch Behavioral-Finance-Aspekte, etwa das Vertrauen in Banken oder die Rolle kognitiver Verzerrungen, könnten ergänzend beleuchtet werden.
4 Fazit
Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass für deutsche Privatkunden insbesondere klassische Merkmale wie Verständlichkeit, Funktionen des Onlinebankings, Bekanntheit und Rendite die wahrgenommene Attraktivität von verzinslichen Einlageprodukten bestimmen. Faktoren wie Risiko, Verfügbarkeit und Impact Investing spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle – insbesondere Nachhaltigkeitsaspekte scheinen nur für eine Minderheit der Befragten entscheidungsrelevant zu sein. Banken, die neue Einlageprodukte entwickeln oder bestehende Angebote kommunizieren wollen, sollten daher besonderen Wert auf einfache, digital zugängliche und bekannte Produktstrukturen legen. Zugleich offenbaren die Ergebnisse ein erhebliches Potenzial für differenziertere Kundensegmentierungen und die Entwicklung zielgruppenspezifischer Angebote – etwa für besonders rendite- oder nachhaltigkeitsorientierte Anlegergruppen. Die Ergebnisse bieten damit eine erste fundierte Grundlage für ein besseres Verständnis der Präferenzen von deutschen Sparenden, sollten jedoch im Licht der genannten Limitationen interpretiert und durch weitere Forschung ergänzt werden.

Über den Autor
Jan Niklas Terhalle absolvierte sein Studium der Betriebswirtschaftslehre (B. Sc., M. Sc.) mit Schwerpunkt Accounting & Finance an der Universität Duisburg-Essen und der ISEG in Lissabon. Beruflich sammelte er Erfahrungen in renommierten Beratungsunternehmen und in der Bankenbranche. Derzeit ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der zeb.business school tätig, wo er seine theoretischen und praxisorientierten Kenntnisse mit seiner Leidenschaft für die finanzwissenschaftliche Forschung kombiniert.

